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Reisekrankheit ade

Was Betroffenen hilft


Ob auf dem Schiff, im Auto oder im Flugzeug: Die Reise zum ersehnten Urlaubsort kann zur Qual werden. Denn die Kinetose, besser bekannt als Reisekrankheit, macht vielen Urlaubern zu schaffen. Wie sie entsteht, wer häufig betroffen ist und was dagegen hilft, weiß Dr. Wolfgang Reuter, Gesundheitsexperte der DKV Deutsche Krankenversicherung.

Kinetose: Ursachen und Entstehung

Die Reisekrankheit ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne. Sie entsteht, wenn das Gehirn von den Sinnesorganen widersprüchliche Meldungen über eine Bewegung erhält. Das passiert zum Beispiel im fahrenden Auto oder in der Bahn. Das Gleichgewichtsorgan im Ohr meldet eine Erschütterung oder Beschleunigung. Die Augen nehmen dagegen im Innenraum keine Bewegung wahr. Druckrezeptoren an der Fußsohle oder Sensoren in der Haut, das sogenannte propriozeptive System, melden ebenfalls "Stillstand". Diese gegensätzlichen Informationen verwirren das Gehirn und versetzen es in Alarmbereitschaft. "Der Körper wehrt sich dagegen und reagiert mit Übelkeit, Schwindel oder Erbrechen, den typischen Symptomen einer Reisekrankheit", erläutert Dr. Wolfgang Reuter, Gesundheitsexperte der DKV Deutsche Krankenversicherung.

Wer besonders von der Reisekrankheit betroffen ist

Nicht alle Menschen leiden gleichermaßen an der Reisekrankheit. "Säuglinge bleiben gewöhnlich von der Kinetose verschont. Das liegt daran, dass ihr Gleichgewichtsorgan im Innenohr noch nicht vollständig ausgebildet ist", erklärt der DKV Gesundheitsexperte. "Menschen über 50 sind ebenfalls weniger anfällig. Ihr Gleichgewichtssinn ist nicht mehr so präzise." Zwei- bis Zwölfjährige hingegen trifft es am häufigsten. Das liegt daran, dass sich ihre Sinneswahrnehmungen noch entwickeln. Dabei kommt es vermehrt zu Fehlmeldungen im Gehirn. "Ebenso spielt die Erwartungshaltung der Reisenden eine wichtige Rolle: Wer sich in die Vorstellung einer Reisekrankheit hineinsteigert, wartet in der Regel nicht lange auf die ersten Symptome", ergänzt Dr. Wolfgang Reuter. Einige andere Umstände wie etwa Angst, Schwangerschaft, Alkoholkonsum oder Krankheiten wie Migräne begünstigen zudem eine verstärkte Anfälligkeit.

Typische Symptome

Die Reisekrankheit kündigt sich allmählich an. Betroffene fühlen sich zunächst leicht unwohl und haben ein flaues Gefühl im Magen. Außerdem gähnen sie häufiger, produzieren mehr Speichel und bekommen möglicherweise leichte Kopfschmerzen. Dies kann in Schweißausbrüche, Erbrechen oder Kreislaufstörungen übergehen. In den meisten Fällen verbessert sich der Zustand der Betroffenen relativ schnell von selbst wieder - wenn sie die verschiedenen Sinneseindrücke koordinieren können. "Ernst nehmen sollten Reisekranke ihren Zustand, wenn sie länger an Übelkeit und Erbrechen leiden. Sie verlieren dadurch große Mengen an Flüssigkeit und damit auch wichtige Salze, sogenannte Elektrolyte. In seltenen Fällen kann das sogar zum Kreislaufkollaps führen", warnt der Experte der DKV.

Tipps zur Vorbeugung

Wer von seiner Reisekrankheit weiß, sollte sich gut auf die Reise vorbereiten. Es empfiehlt sich, vorher gut auszuschlafen und etwas Leichtes, Fettarmes zu essen. "Irrtümlicherweise denken Betroffene, mit einem leeren Magen die Reisekrankheit verhindern zu können - doch genau das Gegenteil ist der Fall. Denn der Magen ist dadurch anfälliger für Übelkeit", erklärt Dr. Wolfgang Reuter. Sich auf einen festen Punkt am Horizont zu konzentrieren oder im Flugzeug oder der Bahn im Gang auf- und abzugehen, kann ebenfalls dem Unwohlsein entgegenwirken. Auf keinen Fall sollten die Betroffenen lesen oder sich mit dem Handy beschäftigen. Bei Autoreisen empfiehlt es sich, vorne auf dem Beifahrersitz oder - noch besser - selbst am Steuer zu sitzen, denn beim Fahrer tritt die Reisekrankheit in der Regel nicht auf.

Kinetose mildern

Tritt die Kinetose akut auf, hilft es, den Kopf ruhig zu halten, sich möglichst hinzulegen und die Augen zu schließen. Das schaltet optische Reize ab. Des Weiteren haben sich rezeptfreie Medikamente mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat bewährt. Sie sind in der Apotheke beispielsweise als Kaugummi erhältlich. Sollen Kinder die Medikamente einnehmen, ist ein vorheriges Gespräch mit dem Kinderarzt ratsam. "Für länger andauernde Reisen können bei Erwachsenen Pflaster mit dem verschreibungspflichtigen Wirkstoff Scopolamin helfen. Die Wirkung setzt erst einige Stunden nach der Anwendung ein, hält aber dafür bis zu drei Tage an", erklärt der DKV Gesundheitsexperte. Anwender sollten das Pflaster deshalb bereits am Abend vor der Abreise anbringen. Zu beachten ist jedoch, dass beide Medikamente müde machen und die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen. Wer aktiv am Verkehr teilnimmt, ist daher mit Ingwer-Tee oder -Kapseln besser beraten. Die Wurzel lindert Übelkeit und hat keinerlei Nebenwirkungen.

Diese und viele weitere Verbrauchertexte stehen für Sie unter www.ergo.com/verbraucher bereit.

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